· Vierhändig

Der Zwischenruf fällt weg

Diese Woche wurde eine Art von KI-Diensten vorgestellt, bei der Aufgaben stundenlang im Hintergrund weiterlaufen, ohne dass jemand daneben sitzt. Klingt nach Entlastung. In meinen eigenen Projekten habe ich gemerkt: Es verschiebt vor allem, wann ich denken muss.

Wenn ich abends an einem meiner privaten Projekte sitze, sieht das Arbeiten mit KI meistens so aus: Ich beschreibe, was entstehen soll, schaue zu, und nach zwei Minuten sage ich „nein, nicht so". Dann noch mal. Und noch mal. Am Ende steht etwas Brauchbares, aber der Weg dorthin bestand zu großen Teilen aus Zwischenrufen.

Genau dieser Zwischenruf verschwindet gerade. Anfang der Woche wurden Dienste vorgestellt, bei denen ein Auftrag über Stunden im Hintergrund abgearbeitet wird. Man gibt ihn ab und bekommt später ein Ergebnis. Dazwischen ist niemand, der „so nicht" sagt.

Was ein Zwischenruf leistet

Mir war lange nicht klar, wie viel Arbeit ich über diese kleinen Korrekturen erledigt habe. Ich musste den Auftrag gar nicht vollständig durchdenken, weil ich unterwegs nachsteuern konnte. Ein grobes „bau mir was in die Richtung" reichte, der Rest entstand im Hin und Her.

Das war bequem, und es hat einen Preis, den ich erst jetzt sehe: Ich habe nie gelernt, den Auftrag richtig zu formulieren. Ich habe gelernt, schnell einzugreifen. Das sind zwei verschiedene Fähigkeiten, und nur eine davon lässt sich delegieren.

Solange ich jederzeit unterbrechen kann, brauche ich keinen guten Auftrag. Ich brauche nur schnelle Reflexe. Fällt die Unterbrechung weg, fällt diese Ausrede mit.

Drei Dinge, die vorher feststehen müssen

Aus den Versuchen der letzten Zeit sind bei mir drei Fragen übrig geblieben, die ich vorher beantworten muss, wenn ich nicht danebensitze.

Erstens: Woran erkenne ich, dass es fertig ist? Nicht „gut", sondern fertig — überprüfbar, an etwas, das ich hinterher ansehen kann. Zweitens: Was darf auf keinen Fall passieren? Die Grenze ist wichtiger als das Ziel, weil das Ziel meistens ohnehin ungefähr getroffen wird und der Schaden immer am Rand entsteht. Und drittens: Was soll geschehen, wenn es klemmt — abbrechen und melden oder selbst eine Annahme treffen? Wer das nicht sagt, bekommt die Annahme, und zwar ohne Hinweis.

Das klingt nach Bürokratie für eine Feierabendbastelei. Ist es auch. Aber es ist dieselbe Bürokratie, die jeder braucht, der Arbeit an Menschen übergibt und nicht ständig nachfragen will.

Warum mir das beruflich bekannt vorkommt

Interessanterweise ist das keine neue Fähigkeit, sondern eine, die ich aus dem Beruf längst kenne. Wenn ich etwas an eine Kollegin abgebe und danach zwei Tage nicht erreichbar bin, muss ich vorher sagen, was das Ergebnis leisten soll, wo die Grenzen liegen und wann sie mich lieber doch anruft. Sonst kommt etwas zurück, das formal stimmt und trotzdem nicht passt.

Bei Menschen habe ich das nie „prompten" genannt. Es hieß: den Auftrag klar machen. Dass ausgerechnet die Arbeit mit KI mich zwingt, das wieder ernst zu nehmen, finde ich fast komisch.

Ein guter Auftrag ist kein technisches Können. Er ist die Fähigkeit, vorher zu wissen, was man will — und ehrlich zu sagen, was nicht sein darf.

Was ich daraus mitnehme

Ich habe angefangen, die Zeit anders zu verteilen. Früher: dreißig Sekunden Auftrag, dann eine halbe Stunde nachsteuern. Inzwischen: ein paar Minuten überlegen, was ich eigentlich will, und dann deutlich weniger Zwischenrufe. Das Ergebnis ist besser, und ehrlich gesagt ist auch die Arbeit angenehmer — Nachsteuern fühlt sich beschäftigt an, Denken fühlt sich nach Arbeit an, aber nur das eine bringt einen weiter.

Ob ich solche unbeaufsichtigten Dienste am Ende wirklich brauche, weiß ich nicht. Für das, was ich privat baue, sind meine Aufgaben selten stundenlang. Aber die Übung, die sie erzwingen, nehme ich mit: einmal vorher zu Ende denken, statt fünfmal unterwegs zu korrigieren.

Und falls doch etwas schiefgeht, während ich nicht hinschaue, weiß ich wenigstens, woran es lag. Nicht an der Maschine. An dem, was ich ihr nicht gesagt habe.

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