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Vier von zehn

Eine aktuelle Erhebung des Bitkom zeichnet ein Bild, das man zweimal lesen muss: 41 Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen KI aktiv, mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Gleichzeitig sagt nur etwa jedes fünfte, es habe dafür eine Strategie. Beide Zahlen stimmen — und zusammen erzählen sie eine andere Geschichte als jede für sich.

Was die Zahlen sagen

Die Erhebung beruht auf einer Befragung von rund 600 Unternehmen ab 20 Beschäftigten. 41 Prozent setzen KI aktiv ein, weitere knapp die Hälfte plant oder diskutiert es. Im Vorjahr lag der aktive Anteil noch bei 17 Prozent. Das ist keine Verschiebung am Rand, das ist ein Sprung.

Danach wird es unbequemer. Ein Drittel berichtet, dass KI teurer ausfällt als geplant. Und nur gut ein Fünftel gibt an, überhaupt eine Strategie für den Einsatz zu haben. Gleichzeitig sagen mehr als drei Viertel derer, die KI nutzen, ihre Wettbewerbsposition habe sich verbessert.

Warum das kein Widerspruch ist

Es wäre leicht, daraus einen Vorwurf zu bauen: erst machen, dann denken. Das trifft es nicht. Der Sprung von 17 auf 41 Prozent ist nicht dadurch entstanden, dass Vorstände Strategien beschlossen haben. Er ist entstanden, weil die Werkzeuge in die Programme gewandert sind, die ohnehin auf jedem Schreibtisch liegen.

Wer KI über ein Update bekommt, startet kein Projekt. Er benutzt sie einfach. Eine Strategie wäre der Schritt danach, und der kostet Zeit, die im Tagesgeschäft niemand übrig hat. Die Lücke zwischen Nutzung und Strategie ist deshalb kein Versäumnis, sondern die logische Folge davon, wie diese Technik in Unternehmen ankommt.

Neue Werkzeuge kommen nicht mehr durch die Tür des Projektbüros. Sie kommen durch das nächste Update — und stellen die Grundsatzfrage erst, wenn sie schon benutzt werden.

Wo die Kosten herkommen

Bemerkenswert finde ich das Drittel, das von höheren Kosten als geplant berichtet. Denn die Lizenzpreise sind meistens nicht die Überraschung — die stehen im Angebot. Teuer wird, was daneben anfällt: Daten aufbereiten, Zugriffsrechte klären, Ergebnisse prüfen, Leute einarbeiten, und die Erkenntnis, dass ein Anwendungsfall am Ende doch einen zweiten braucht, damit sich der erste rechnet.

Das ist keine KI-Besonderheit. Es ist bei jeder Software so, und es wird trotzdem jedes Mal unterschätzt, weil die Vorführung immer den fertigen Zustand zeigt und nie den Weg dorthin.

Was eine Strategie hier überhaupt heißt

Wenn ich „Strategie" höre, denke ich unwillkürlich an ein Papier, das niemand liest. Nützlicher ist eine kleinere Frage: Weiß im Haus jemand, welche Werkzeuge im Einsatz sind, wofür sie benutzt werden und wer entscheidet, wenn etwas schiefgeht?

Das lässt sich auf einer Seite beantworten. Und es ist ziemlich genau das, was in der Erhebung fehlt — nicht ein Strategiepapier, sondern die Übersicht, die man braucht, wenn aus einem Versuch ein Bestandteil des Betriebs geworden ist.

Die brauchbare Frage lautet nicht „Wo wollen wir mit KI hin?". Sie lautet: „Was läuft bei uns schon, und wer schaut darauf?"

Was das für Unternehmen bedeutet

Aus meiner Sicht sind drei Dinge aus diesen Zahlen mitzunehmen. Erstens: Die Frage, ob man einsteigt, hat sich für die meisten längst erledigt — sie sind drin, ob beschlossen oder nicht. Zweitens: Die Kostenüberraschung entsteht nicht beim Einkauf, sondern im Betrieb, und lässt sich nur durch Erfahrung mit einem ersten, klar abgegrenzten Anwendungsfall einschätzen.

Und drittens, der eigentliche Punkt: Die Verdopplung in einem Jahr bedeutet, dass sich die Ausgangslage schneller ändert als die Fähigkeit, sie zu überblicken. Wer jetzt eine einfache Übersicht anlegt, statt auf das große Konzept zu warten, hat in zwölf Monaten den Vorsprung — nicht weil er mehr eingesetzt hat, sondern weil er weiß, was er einsetzt.

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